Ängste auflösen – wie macht man das? Eine Gebrauchsanleitung, die für mich funktioniert

Wenn man dieser Zeit ein Gefühl zuordnen wollte, dann wäre das meistverbreitete Gefühl die Angst. Und damit endet schon die Gemeinsamkeit der Menschen, denn die Ängste, denen die Menschen unterliegen, sind sehr verschieden. Nach Dr. Daniele Ganser sind folgende 3 Grundängste zurzeit weit verbreitet: Die eine Gruppe Menschen (Gruppe A) hat vorwiegend Angst vor dem Coronavirus, die nächste Gruppe (B) hat Angst vor einer Diktatur und Gruppe C hat Angst vor Armut. Und alle drei Ängste sind sehr aufgeladen.

Wie die Menschen damit umgehen, ist zwar weit verbreitet, aber wenig hilfreich: Die eigene Angst wird für die Wahrheit genommen – und die Angst der anderen Gruppe für „Quatsch“, also für übertrieben erklärt. Auf dieser Grundlage wird versucht mit Fakten gegen die Angst der Anderen zu argumentieren oder die anderen von der Richtigkeit der eigenen Weltanschauung zu überzeugen. Ein Vorgehen, welches nicht funktioniert und welches Familien, Freunde, ja unsere Gesellschaft spaltet. Das ist ein sehr unbewusster Umgang mit Angst. Denn eines ist klar, wer massive Angst hat, will dafür nicht für dumm erklärt werden – und kann sich andererseits nicht noch die Ängste anderer aufladen. Das ist zu viel. Davor schützen wir uns – mit allen Mitteln. Ein häufiges Mittel, um sich zu schützen, ist die Abwertung anderer (z.B. Covid-Idioten, Corona-Leugner, treudumme Schlafschafe…) bis hin zum Kontaktabbruch. Hilft uns das wirklich, aus der eigenen Angst heraus? Wohl kaum. Wenn wir die eigene Angst nicht auflösen, bleibt uns nur, von ihr beherrscht zu werden.

Schau doch mal, wie die 3 Grundängste bei dir selbst ausgeprägt sind – auf einer Skala von 1 (keine Angst) bis 10 (extreme Angst)? Als ich begonnen habe, mich mit dem Thema zu befassen, lagen bei mir die Angst vor Diktatur und die Angst vor Armut jeweils bei 7, die Angst vor Virus bei 2. Inzwischen bin ich meistens aus diesen Ängsten raus.

Wie war das möglich?

Durch verschiedene Methoden – und jede war und ist hilfreich.

Eigentlich hat Angst ja eine Funktion, z.B. uns vor Gefahren zu warnen. Hast du schon mal eine wirklich bedrohliche Situation erlebt, in der du große Angst hattest? Was ist da geschehen? Mir hat diese Art Angst geholfen, alle Kräfte zu mobilisieren, um eben nicht auf spiegelglatter Straße gegen einen entgegen kommenden Laster zu knallen, als ich die Kontrolle über mein Auto verloren hatte. Hier war die Todesangst wirklich hilfreich – und hat mich lebensrettend handeln lassen.

Das „Ver-rückte“ ist jedoch, dass wir uns bedrohliche Situationen nur vorzustellen brauchen, um in große Angst zu kommen. Diese Angst ist destruktiv. Christian Meyer nennt sie psychologische Angst. Sie gehört eigentlich nicht in die Zeit, wo wir sie empfinden, denn wir sind gerade in Sicherheit. Für mich ist hilfreich, wenn so eine psychologische Angst aufkommt, diese zu fragen: „Bist du eine alte oder eine aktuelle Angst?“ Und immer war die Antwort: „Eine alte.“ Und ich konnte mich beruhigen.

In der gegenwärtigen Zeit kommen offenbar verstärkt kollektive und auch individuelle alte Ängste hoch, wahrscheinlich, um sie aufzulösen.
Wie macht man das? Z.B. kann man die Angst auch fragen, wann sie das erste Mal in der Vergangenheit aufgetreten ist. Sie antwortet. Und dann kann man mit dem heutigen Wissen und Sein seine alte angstbeladene Situation anschauen – und sie verliert die bedrohliche Kraft. (Wer damit noch wenig Erfahrung hat, kann sich durch diesen Prozess auch führen lassen.)

Oder ich frage die Angst: „Was willst du mir sagen?“ Auch da erhalte ich Antworten, die für mich wichtig sind.

Auch die Erkenntnis von Vivian Dittmar, dass Angst eine Kraft ist, sie nennt sie „Angstkraft“, hat mir geholfen. Nach Frau Dittmar markiert Angst die Grenze zwischen Bekanntem und Unbekanntem. Das heißt, das Unbekannte macht uns zunächst Angst, weil wir nicht wissen, wie wir mit diesen Situationen umgehen sollen. Und solche Situationen haben wir in der heutigen Corona-Zeit ja viele. Der Satz „Das ist schrecklich unbekannt.“ als Übersetzung für meine Angstreaktion, hat mir geholfen, mich zu beruhigen und das Unbekannte anzunehmen, auch wenn ich noch nicht wusste, wie ich mit der Situation umgehen kann. Mit der Zeit entstand in mir etwas Neues, wuchs ich durch die Auseinandersetzung mit der Angst über mein altes Wissen und mein altes Sein hinaus. So entstanden mittels der Angstkraft neue Einsichten und Wege.

Wie kann das ganz konkret aussehen?

Ich habe mich z.B. den 3 Grundängsten dieser Zeit gestellt. Als Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation war mir bewusst, dass auch hinter jeder psychologischen Angst Bedürfnisse stehen, welche mein Verstand in Gefahr sieht. Bei mir waren ja die Angst vor Diktatur und die Angst vor Armut aktiv. Was sind meine Bedürfnisse? Hinter der Angst vor Diktatur zeigten sich z.B. Kooperation (also ein Miteinander statt Gegeneinander), Respekt, Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Meinungsfreiheit, Orientierung, Ehrlichkeit, Sinn (-volles Leben) und Selbstverwirklichung. Und hinter der Angst vor Armut (ich bin selbstständig und darf wegen des Look-downs zurzeit keine Seminare anbieten) zeigten sich z.B. wirtschaftliche Sicherheit, Wohlstand, Sinn (-volle Tätigkeit), Inspiration (durch kulturelle und touristische Angebote, die ich mir auch leisten kann), Zugehörigkeit (zu den Freunden, die keine wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben).

Als ich Selbstverwirklichung und Zugehörigkeit als meine wichtigsten Bedürfnisse erkannte, zeigte sich, dass ich unter allen äußeren Umständen Wege finden werde, um mein Bedürfnis nach Selbst-Verwirklichung zu nähren. Ja, vielleicht sind es ganz neue Wege.
Für das Bedürfnis „Zugehörigkeit“ gab es eine andere Auflösung: Als ich Kind war, waren wir arm. Das Geld reichte nicht bis zum Monatsende. Am Monatsende gab es Marmeladenbrote, Kartoffeln und Muckefuck; mehr war nicht drin. Aber ich hatte trotzdem gute Freunde. Warum soll das jetzt anders sein, falls ich durch die Coronamaßnahmen sehr wenig Geld haben werde? Freunde werde ich haben. Damit war mein Verstand überzeugt, dass diese beiden Bedürfnisse sich wahrscheinlich erfüllen lassen – und die Angst verschwand.

Des Weiteren hat mich die Angstkraft suchen und neues finden lassen. Zum ersten Mal habe ich Channelings gehört und viele neue Anregungen im Internet gefunden. Ich gehe jetzt häufiger mit der geistigen Welt in Verbindung – und erhalte Antworten auf meine Fragen. Und ich lerne, mehr im Augenblick zu sein. Wenn psychologische Angst aufkommt, weiß ich, dass ich aus dem gegenwärtigen Augenblick rausgefallen bin und ich mich ihr zuwenden muss. Oft reicht es, ins Jetzt zurückzukehren und die psychologische Angst verfliegt – und andere Gefühle wie Gelassenheit und stille Freude tauchen auf.
Dieses neue Herangehen stärkt meine Vermutung, dass hinter dem, was gegenwärtig sichtbar ist, ein Prozess zu unserem Wohlergehen läuft.

Mich würde interessieren, welche neuen Einsichten und Wege hat dir die Auseinandersetzung mit dieser Zeit und mit deiner Angst gebracht? Hast du Lust, dich dazu auszutauschen? Ich hätte Lust mit anderen zusammen eine Gruppe zu gründen, die sich gegenseitig inspiriert und stärkt.
Herzlichen Dank für deine Aufmerksamkeit.

Wenn du Lust hast, dich in einer Gruppe auszutauschen gib mir bitte Bescheid unter  post@perspektivschmiede.de

Übrigens das Foto zum Beitrag wurde auf dem Erzgebirgskamm aufgenommen. 150 m weiter war schönes sonniges Winterwetter.