„Du bist gemein!“ Auflösungen, Teil 3

Ich habe den Satz vor mehr als 1 Jahr von einer spirituellen Lehrerin gehört.

Die Situation war folgende:
Sie trug in einem Seminar ein kurzes Gedicht in Englisch vor
und ich fragte, ob sie mir das Gedicht ins Deutsche übersetzen kann.
Das erste, was sie antwortete war: „Du bist gemein!“
Dann sagte sie noch: „Nö, vielleicht ein anderes Mal.“

Ich war so perplex, dass ich nicht antworten konnte,
konnte aber innerlich einfühlsam sein:
„Na meine Frage wird sie und vielleicht das,
was in Englisch transportiert wurde, wohl gestört haben.
Das Gedicht war ja auch für Sabine gesagt.
Okay, ich kann damit leben, es nicht zu verstehen.“
Ich wollte nicht noch mehr stören.
Damit war es erst mal gut.
Ja, das war meine innere Erklärung und meine Einfühlung,
die mir mehr als 8 Monate Ruhe verschaffte –
bis mich eine Freundin an die Begebenheit erinnerte.

Ab da wirkte der Satz „Du bist gemein“ in mir –

  • und Klärung in der ursprünglichen Situation war längst nicht mehr möglich.Und der Satz trieb zum Teil sein Unwesen…

    …immer wenn ich mich im Recht fühlte,
  • denn ich hatte ja nur gefragt, ob sie mir das Gedicht übersetzt,
    was ich in Englisch nicht verstand
  • und sie hatte öfter vorher gesagt,
    dass man nachfragen soll, wenn man es in Englisch nicht versteht
    und dass sie manchmal nicht merkt, dass sie Englisch spricht.…und wenn ich urteilende Gedanken dachte:
    „Wie kann sie nur so was zu mir sagen?!
    Das ist doch auch gemein!
    Und das als spirituelle Lehrerin!“
    Egal wie ich es drehte, so merkte ich, komme ich nicht weiter. Es tat nur weh.Und der Satz führte mich schrittweise zur Klarheit:

Er hat mich eine Menge meiner Muster erkennen lassen,
die sich in bestimmten Situationen zeigen:
Auf der einen Seite will ich gern lieb sein,
keinen Anlass zu Kritik bieten,
schön brav, wie als Kind, um keinen Ärger zu machen,
die Gute sein.
Auf der anderen Seite ärgere ich mich,
wenn jemand so über mich denkt –
und merkte lange nicht,
dass ich es war, die dachte –
nicht die andere.

Und dann kam eine der niederschmetterndsten und
gleichzeitig befreiendsten Erkenntnisse:

Ich kann auch gemein sein – in manchen Situationen.
Das an einer konkreten Situation innerlich mitzuerleben und zu erkennen,
war nicht schön –
und doch befreiend:

Oh ich bin auch manchmal gemein, z.B. indem ich einen anderen verurteile –
noch dazu für Dinge, die ich ihm unterstellt habe –
während er sogar was ganz liebes getan hat –
von dem ich nichts wusste.

Diese Befreiung wirkt in 2 Richtungen:
– A) Ich brauche es jetzt nicht mehr,
mich als jemanden zu erleben, der nicht auch mal gemein ist.
Und durch diese Erkenntnis und das Annehmen dieses Verhaltens
kann ich es sehen und damit lassen,
d.h. indem ich sehe, wo ich gemein bin, lasse ich es los, gemein zu sein.
Ich will also nicht besser sein, als ich bin
und wehre ab, dass mir so was passiert,
sondern indem ich es sehe, löst es sich auf.

(Haben Sie schon mal erlebt, wie befreiend es ist,
auch ungeliebte Eigenschaften von sich selbst anzunehmen?)

– B) Und ich brauche jetzt einen anderen nicht mehr verurteilen,
nur weil der mal gemein ist, sondern kann ihn liebevoll anschauen.

Wobei mir das Wort „ungerecht“ für so ein Verhalten besser gefällt als das Wort „gemein“,
denn was ist bitte mit „gemein“ gemeint?

Und noch etwas wurde sichtbar – und bringt sicher noch mehr Befreiung:
Ich will demnächst untersuchen,
wo ich mir selbst gegenüber gemein, also ungerecht und urteilend bin.

Und ich ahne schon, auch das wird ein sehr ergiebiges Thema,
das noch mehr Befreiung bringt.

Solche tiefen Auflösungen allein hinzubekommen,
brauchen jahrelange Erfahrungen im ehrlichen und liebevollen Hinschauen.
Für Menschen, die darin noch nicht geübt sind, hilft eine Empathische Einzelbegleitung durch einen erfahrenen Trainer, den Weg zur Erlösung und Befreiung von solchen Mustern, Verhalten und Glaubenssätzen schnell zu finden.
Wer es selbst lernen will, für den sind Seminare in Gewaltfreier Kommunikation eine effektive Methode. 
Gudrun Höntsch
www.perspektivschmiede.de