Vorsicht Ärger! Heiß, giftig und ansteckend!
Ärger wirkt wie eine schwere Krankheit in uns – und macht auch krank.
Wie wird man den denn wieder los?
Wie man mit Gewaltfreier Kommunikation Ärger in echten Frieden verwandeln kann.
Ärger ist eine Angewohnheit,
die wir gelernt haben, weil wir es nicht besser wussten,
und niemand uns zeigen konnte, wie es anders geht.

Worüber kann man sich ärgern?
Nimm verschiedene Menschen –
und es gibt wohl nichts, worüber sich nicht jemand ärgert.
Verrückt oder?
Und wenn du dich selbst nicht sofort ärgerst – dann können dich der Ärger und die Ansichten, die jemanden andern ärgern, dazu verleiten, dich selbst zu ärgern. Ja Ärger ist ansteckend und kann fast jede vormals gute Stimmung vermiesen.

Und was besonders schlimm ist, gerade die Menschen,
mit denen wir aus Liebe zusammen leben,
also unsere Ehepartner und unsere Kinder
bekommen unseren Ärger oft ganz ungefiltert und häufig ab.

Ja auf Arbeit reißen wir uns zusammen,
ärgern uns innerlich,
schleppen den ganzen Tag den Ärger mit uns herum
und wenn dann zu Hause irgendetwas nicht so läuft,
ein Kind einfach spontan und lebenslustig wie ein Kind ist
oder irgendetwas tut, was uns nicht gefällt,
dann explodieren wir.

Oh was sich unsere Kinder so alles anhören müssen.
Kein Wunder, dass sie sich ärgern.
So vererben wir unseren Ärger an die nächste Generation.

Auch unser Ehepartner ist Zielscheibe unseres Ärgers,
bekommt ihn offen zu spüren in Form von Ausbrüchen, Maulereien,
Sticheleien, harter Kritik, Rumdickschen oder Beschwerden über alles Mögliche.
Oder noch schlimmer wir schleppen auch da den Ärger mit uns herum,
aber dann gründlich: tagelang, wochenlang, ja manche schaffen es jahrelang.
Der Andere weiß manchmal nicht einmal, was los ist,
spürt nur, es steht was zwischen den Lebenspartnern,
man bekommt einfach keine liebevolle Verbindung mehr hin.

An der Stelle geben die meisten auf,
resignieren oder gehen sich aus dem Weg,
fangen an nebeneinander her zu leben oder
sich scheiden zu lassen,
natürlich weil der andere schuld ist.

Viel besser ist es, den Ärger als Weckruf zu benutzen.
Das heißt, wir verdrängen den Ärger nicht,
sondern fühlen ihn,
und erkennen,
er hat eine Funktion,
er will uns also etwas sagen:

Was will der Ärger uns denn sagen?
Das etwas für uns selbst nicht stimmt.
Irgendetwas läuft grad so, dass es uns nicht guttut.

Und in der Regel wissen wir nicht, wie wir die Situation so verändern können,
dass es uns wieder gut geht, d.h. wir wissen nicht,
wie wir für uns selbst in dieser Situation sorgen können.
Und das ehrlich auszusprechen, also zu sagen:
„Irgendetwas stimmt für mich nicht.
Ich weiß nicht mal, was es ist.
Und ich weiß auch nicht, wie ich für mich selbst sorgen kann.“

Ja so was zu sagen, sind wir leider auch nicht gewohnt.
Stattdessen ärgern wir uns lieber.
Und machen die Situation schlimmer,
weil wir jetzt noch den Ärger haben.
Und so können wir noch weniger für uns sorgen,
denn Ärger vernebelt unser Denken völlig.

Was kann man denn nun tun, wenn man sich ärgert?
Wie kann man ihn denn nun verwandeln?

Das erste ist:
Innehalten und begreifen: Ich ärgere mich.
Es ist also dein Ärger.
Er hat mit dir zu tun – nicht mit dem anderen.

Ja, unserer Gesellschaft erzählt dir jeden Tag viele Male,
dass es der andere wäre, über den du dich ärgerst,
und gibt dir sowas wie eine Berechtigung, ihm oder ihr die Schuld zu geben.
Leider hilft das keinen Deut weiter: So bleibst du im Ärger stecken.
Also übernimm erst einmal die Verantwortung dafür,
du es bist, der Ärger in sich hat.

Der nächste Schritt ist:
Du weißt nicht, wie du gut für dich sorgen kannst.
Also gilt es, dahin zu schauen:
Wie kann ich gut für mich in dieser Situation, in der ich mich ärgere, sorgen?

Im Ärger sind in der Regel ein oder mehrere Bedürfnisse,
die dir wichtig sind, nicht erfüllt.

Und oft sind sie schon lange nicht erfüllt, manchmal waren sie noch nie in deinem Leben erfüllt.
Entsprechend dick und explosiv ist der Ärger – oder zäh die Resignation.

Diese Bedürfnisse gilt es zu finden.

Das nimmt in manchen Situationen richtig viel Zeit in Anspruch,
manchmal findet man die Bedürfnisse auch schnell.

Manchmal ist es wirklich sinnvoll,
sich da Hilfe in Form empathischer Begleitung zu suchen.
Es können Freunde helfen oder Kundige der Gewaltfreien Kommunikation
oder entsprechende Therapeuten.
Ja und weil Bedürfnisse wichtige Lebensmotive sind, ist es halt nicht egal,
ob sie permanent unerfüllt oder eben erfüllt sind.

In der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) heißt es,
dass man alles, was man sagt oder tut,
sagt oder tut, um sich Bedürfnisse zu erfüllen.
Hast du das schon mal gehört?

Alles, was man sagt oder tut, tut man, um sich Bedürfnisse zu erfüllen.
Kannst du die Bedeutung erfassen?

Die meisten Menschen wissen nicht mal, was ein Bedürfnis ist,
geschweige denn, was die eigenen Bedürfnisse in der jeweiligen Situation sind.
Und sie wissen auch nicht, wie man sich diese Bedürfnisse
auf wirksame und liebevolle Weise erfüllen kann –
ohne anderen zu schaden oder diese abzuwerten.

Kein Wunder, wenn unsere ganze Gesellschaft voller Ärger ist.
Ja, du siehst, Ärger ist ein mächtiges verbreitetes Phänomen,
aber eines, das sich lohnt, aufzulösen.

Wie man Ärger auflösen kann,
kannst du in dem Blog „Willst du Recht haben oder glücklich sein?“
als ein ausführliches Beispiel nachlesen.

Ich veröffentliche demnächst zu diesem Thema weitere Blogs, die weiterhelfen.

Wenn du noch mehr drüber wissen willst,
wie man Ärger auflösen kann,
empfehle ich dir das Buch von Marshall B. Rosenberg: „Gewaltfreie Kommunikation“
oder Seminare zu diesem Thema,
denn es braucht total neues Know-how,
um aus diesem gesellschaftlich verbreiteten Ärger auszusteigen
und es tut gut, diese Auflösungen in Seminaren oder Begleitungen
bei den eigenen Fällen zu erleben.

Ja, es tut sooooo gut, aus dem eigenen Ärger auszusteigen
und ihn, wenn er kommt, verwandeln zu können.
Gewaltfreie Kommunikation – tut sooooo gut,
immer wenn man sie richtig anwendet –
und falsch angewendet, hilft sie nicht.
Sie ist dann nur dem Schein nach GfK,
nicht in Wirklichkeit.
Gudrun Höntsch