Wenn wir alle gleicher Meinung sind, dann muss das doch richtig sein.“
Oder vielleicht doch nicht?
Vorsicht Falle, als Leiter seine Meinung durchzudrücken.
Ein Geschäft aufzubauen und zu leiten, da ist jedem klar, man braucht fachliches Know-how,
sonst sind die Chancen gering, über Jahre erfolgreich zu sein.
Was man leicht übersieht: Man hat immer mit Menschen zu tun, auch als Alleinunternehmer, denn Sie brauchen zumindest Kunden – möglichst solche, die bleiben, die Sie oder Ihr Produkt weiterempfehlen. Sobald man nicht mehr allein das Unternehmen führt, hat man mit noch mehr Menschen zu tun. Jetzt nicht mehr nur außerhalb des Unternehmens, wo man sich auf einen Treff mit dem Kunden gut vorbereiten kann, sondern ständig in der täglichen Arbeit.
Und genau da wird es für viele Unternehmer, Leiter oder Führungskräfte anstrengend und holprig. Da schöpfen viele mehr aus ihrem unbestimmten und unreflektiertem Bauchgefühl, übernehmen unbewusst allerlei negative Gedanken und Verhaltensmuster, probieren aus, was sie irgendwo gehört oder erlebt haben. Wirksame Menschenführung zum nachhaltigen Wohl des Unternehmens ist dann mehr Glücksache, als dass sie auf wirklichem Können beruht.

Und da es unterschiedliche Anliegen und Sichtweisen fast genauso viele wie unterschiedliche Menschen gibt, sind Probleme vorprogrammiert.
Verstärkt werden die, weil unsere deutsche Kultur uns suggeriert:
„Wenn alle die gleiche Meinung haben, dann ist es richtig, dann muss die Meinung richtig sein, dann fühlen wir uns wohl und sicher.“
Vielleicht ist das ein Erbe aus früheren Jahren der Diktatur oder autoritärer Führung.
Ja selbst unsere demokratischen Parteien verkünden oft, dass einheitliche Parteimeinungen das Erstrebenswerte sind – und Menschen mit anderen Ansichten werden in den Medien als Abweichler, Störenfriede oder Querköpfe abgetan.

Ein positives Bild von dem Wert unterschiedlicher Ansichten wird kaum transportiert und ist in uns Deutschen irgendwie nicht präsent. 
„Let´s agree to disagree“, fehlt im deutschen Denken und wird deshalb kaum positiv gelebt.
(Übersetzung: „Lasst uns darauf einigen, dass wir unterschiedlicher Ansicht sind.“)

Also wird darum gekämpft, wer seine Meinung durchsetzen kann,
denn der fühlt sich dann wohl, denn er hat sein Anliegen durchgesetzt,
betrachtet sich als stark und erfolgreich in Sachen Führung.
Ein Irrtum mit oft schweren Folgen.

Eigentlich spielt er das Spiel: „The Winner Takes it all“, für das es im Deutschen kein entsprechendes Sprichwort und leider auch keine Bewusstheit gibt.
Übersetzt bedeutet es: „Der Gewinner nimmt alles, auch die Wahrheit des scheinbaren Verlierers, des scheinbar Unterlegenen.“
Der scheinbare Gewinner tut also so, als ob es nur seine Ansicht, seine Wahrheit gibt bzw. gegeben hätte.
Dass dabei alle ärmer und irgendwie auch zu Verlierern werden, entgeht dem deutschen Bewusstsein sehr häufig und sehr lange.

Auf Unternehmen oder Organisationen bezogen bedeutet dieses Vorgehen:
Ich beschneide das Know-how in meinem Leitungsbereich auf die Siegermeinung,
die oft die des Leiters ist,
denn er hat die Macht,
ein Machtwort zu sprechen.
Oder es siegt die Meinung dessen mit den lautesten Argumenten.

Oder noch schlimmer, aber nicht weniger verbreitet:
Es wird von oben vorgegeben, was zu denken, zu tun und zu lassen ist
– möglichst detailgenau und auch noch die gesamte Zeit ausfüllend,
das ja kein Mitarbeiter auf dumme (oder vielleicht intelligente???) Gedanken kommt.

Oder anders ausgedrückt: das ja kein Mitarbeiter auf die Idee kommt, seine fachliche Kompetenz voll einzubringen, die ja oft eine andere als die des Leiters ist.
Nur für die vorgedachte Stelle im Getriebe darf und soll er sein Know-how einbringen.

Noch einmal:
Dass ja kein Mitarbeiter auf die Idee kommt bzw. die Zeit dazu hat, seine Kompetenz voll einzubringen!
Nur für die vorgedachte Stelle im Getriebe darf und soll er sein Know-how einbringen.
Leider funktionieren weder unser Verstand noch unsere Motivation auf diese Weise.
Demotivation und Einschlafen der Kreativität – auch der für die jeweils beste Lösung – sind die Folge.
Wir sind keine Maschinen, auch keine Computer,
die auf Knopfdruck genau das denken oder tun,
was der Knopfdrücker wollte.

Und wie kann man auf diese Art und auf Dauer
in einem international harten Geschäft
und bei nicht schlafender Konkurrenz noch erfolgreich sein?
Okay, Großunternehmen haben viel Geld
und können lange ihre Belange auf diese destruktive Weise durchsetzen
– bis es auch dort knallt.

Und mittlere und kleinere Unternehmen?
Können die sich wirklich leisten,
die Kreativität,
die höchste Motivation und
die Spitzenleistungen der Mitarbeiter
nicht zu brauchen,
diese einfach einschlafen zu lassen?

Oder nur noch auf neue unerfahrene Mitarbeiter zu setzen?
Denn diese Neuen Unerfahrenen setzen sich natürlich ein,
weil es eben unserer Natur entspricht,
sich voll einzusetzen, kreativ zu sein.

Und diese Neuen setzen sich ein, bis auch sie merken:
„Es hat keinen Zweck.
Es geht mir nicht gut dabei.
Es geht viel zu schwer, kostet zu viel Kraft.
Es wird nicht gewollt.“

Und wer sich weiterhin voll einsetzen will, der geht.
Woanders hin, da wo es gefragt ist, wo es Bedingungen dafür gibt;
voll leisten zu können,
das leisten zu können, wo man am besten ist
und wo man geachtet dafür wird
und auch als Mensch geachtet wird mit seinem ganzen Wesen,
nicht als Nummer behandelt wird.

Das Aufwachen aus diesem Denken oder Traum:
„Ich als Chef, bin hier der, der allein sagt und weiß, wo es langgeht“,
geschieht dann meist hart und fassungslos fragend:

„Wie konnte denn das nur passieren?
Wir haben uns doch sooo angestrengt!
Ich hab all meine Zeit hier in die Arbeit gesteckt – und nun das.
Wir haben gekämpft, alles gegeben – und nun dieses Dilemma:“

Kündigung der Leistungsträger oder Zahlungsschwierigkeiten,
schwindende Kunden oder harte Regressforderungen.
Ja viele Unternehmer oder Leiter wachen erst auf, wenn es weh tut,
sprich es Geld kostet oder Ihre Position ins Wanken gerät.
Und selbst dann sucht man die Schuld dafür bei anderen.

VW zahlt gerade den Preis für seinen autoritären Führungsstil:
„Ich als Leiter sage dir als Fachmann,
was du zu tun und zu lassen hast und
gebe dir vor, was du zu erreichen hast.
Wenn du anderer Meinung bist,
das interessiert mich nicht.“
Ja VW als Großunternehmen überlebt es – diesmal.
Kleinere Unternehmen zerbrechen an solchen Regresszahlungen.
Es soll auch schon Konzerne gegeben haben, die es heute nicht mehr gibt.

Wie man eine Art des Umgangs installiert,
die wirklich zu den gewünschten, für alle Seiten zu passenden Ergebnissen führt
und das bereits vorhandene Know-how in den Menschen voll nutzbar macht,
davon handelt die Gewaltfreie Kommunikation.
Es geht dabei nicht ums Schönreden oder Konflikte vertuschen
– sondern um Klärung und Klarheit,
ums Potenziale erfassen und einbinden
aber auch darum, Fakten im Vorfeld zu erkennen, die darauf hinweisen,
was nicht funktioniert und diese wahrzunehmen,
um eine bessere passendere Lösung zu finden.
Und meine Erfahrungen
aus vielen Beratungen, Mediationen, Gesprächen zeigen auf:

Es gibt sie immer, die wirklich passende Lösung,
also die Spitzenlösung,
wenn wir sie wirklich wollen –
sowohl für die Belange im Beruf
als auch für die im Privaten.
Gudrun Höntsch
www.perspektivschmiede.de